Die Geschichte der Pfarrei Wildenranna

 

Die ersten Siedler brachten den christlichen Glauben schon mit. Freilich wurden Heidenbrauch und Christentum manchmal als ein und dasselbe angesehen. Priester kamen selten in die Waldgegend. Nur zur Osterzeit kam der Pfarrer von Pfarrkirchen in die Gegend zur Abnahme der Osterbeichte. Der Hilfspriester musste sich in den entfernten Ortschaften oft tagelang zum Beichthören einquartieren. Wenn die Weg noch verschneit waren, mussten die Dorfbewohner den Schlitten ziehen, auf dem der Priester saß. Wegscheid wurde 1224 eine Pfarrei. Bis 1224 stand dort nur eine Taufkapelle, die Johannes dem Täufer geweiht war. Vor 1224 wurde jeden Samstag um 13 Uhr mit der Glocke ein Zeichen gegeben. Daraufhin versammelten sich die Gläubigen zum gemeinsamen Kirchgang nach Pfarrkirchen. Die Ranninger werden sich in Kappl zugesellt haben. Der Mautner von Wildenranna verlangte von seinen Untergebenen regelmäßige Erfüllung der Osterpflicht, Einhaltung der Festtage, Besuch des Gottesdienstes und Beobachtung der Sonntagsruhe. Sonntagsentheiligung wurde mit 50 Stockhieben und Verlust der Freiheit bestraft. Bis 1900 war die Bank in der Maut noch vorhanden, auf die die Missetäter geschnallt wurden, auch die Geige, in die zänkische Weiber gespannt wurden, befand sich im Dachraum. Beide wanderten als Gerümpel in den Ofen.

Religionsunterricht gab es damals noch nicht. Die Eltern erfuhren die Glaubenswahrheiten in der Predigt und erzählten diese den Kindern. Zum besseren Verständnis wurden zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten religiöse Spiele in der Kirche vorgeführt, die sog. Kirchenspiele. Je nach der Rolle, die dabei einer bekam, blieb ihm später der Name. Auch auf der Straße predigte der Evangelimann.

In Wildenranna wurde eine Kapelle erbaut, in der schon in der Pestzeit die bedrängten Menschen die hl. Mutter Anna um ihre Fürbitte anriefen. Nach Einführung des Schulunterrichtes fand wöchentlich ein Gottesdienst in der Kapelle statt. Dieselbe wurde in eine Schreinerwerkstatt umgebaut. Die Benediktion der Kapelle erfolgte am 23. Juli 1833 durch Geistl. Rat Dekan Reisinger, Wegscheid. 1960 wurde die Kapelle abgebrochen.

Seit ungefähr 1790 findet alle Jahre am Pfingstdienstag ein Bittgang nach Büchlberg statt. Als damals mehrere Jahre die Saaten durch Frost und Hagel vernichtet wurden, haben die Bewohner den Bittgang versprochen. Bis zum Jahre 1906 fand auch noch ein Bittgang nach Thyrnau statt. Das Versprechen wurde gemacht, als 1873 eine Rinderpest herrschte. Gendarmen und Grenzwache sperrten die Ortschaft ab. Wer trotzdem aus wichtigen Gründen die Ortschaft verlassen musste, wurde bei Obermühle und in der Maut in einem Häuschen durch Räuchern desinfiziert. Die verendeten Tiere wurden in den Pflanzbeeten verscharrt.

Bis 1904 bestand ein schöner Brauch. In der Zeit von Mitte Juni bis Ende Juli war am Sonntag Nachmittag ein Umgang um die Kornfelder, bei dem sich die Ortseinwohner zahlreich beteiligten. Die Ministrantenfähnlein und ein Kreuz wurde vorangetragen. Der Messner oder der Kaiser Otto machten den Vorbeter. In der Kapelle wurde nach der Rückkehr vom Höpfner Katherl und Martin-Franzl ein Lied gesungen, das mit dem Refrain endete:

"Lass die Feldfrucht groß und klein
Dir, o Herr, befohlen sein."

Ein Brauch aus heidnischer Zeit war der Ganggerl. Am Pfingstsonntag Nachmittag wurde früher der Ganggerl durch das Dorf geführt. Ein Feiertagsschüler, angetan mit schiachen Kleidern und einer Larve vorm Gesicht wurde an Stricken von anderen größeren Buben gehalten. Er wehrte sich und wollte sich losreißen, stürze schlagend und beißend von einer Seite zur anderen, wobei die Buben eine furchtbares Geschrei verbrachten. Ein Knabe ging hinter dem Zug mit einem Korb. Er bekam Eier, Krapfen und Geld. Beim Kirchenbau 1904 kam der Unfug ab.

Nach Gründung eines Kirchenbauvereins, bei dem sich besonders der damalige Bürgermeister Peter Pilsl und der Landwirt Johann Kristl von Furthäusl besondere Verdienste erwarben, konnte am 18. Oktober 1904 mit der Herstellung der Grundmauern für die Kirche begonnen werden. Die feierliche Grundsteinlegung durch den großen Wohltäter Franz Xaver Pöppl, Domkapitular aus Regensburg fand am 13. Juni 1905 statt. Die Kreuzaufsteckung auf den Turm erfolgte am 28. August 1906 durch Zimmermeister Zillner von Kasberg und Spenglermeister Kurzböck von Wegscheid.

Von 1904 bis 1906 wurde die Kirche mit vielen Opfern von Seiten der Bevölkerung sowohl in Hand- und Spanndiensten als auch an Geld unter Leitung von Expositus Schwarz von Maurermeister Wilhelm, Untergriesbach - Obernzell erbaut. Den Plan fertigte Architekt Schott in München. Am Kirchweihsonntag 1906 war Umzug von der Kapelle in die Neuerbaute Kirche. Domkapitular Franz Xaver Pöppl - Regensburg nahm die Benediktion vor.

Gedenktafel für Domkapitular Franz Xaver Pöppel in der Pfarrkirche.

Am 24. August 1909 war die feierliche Konsekration der Kirche durch Se. Bischöflichen Gnaden Sigismund Felix von Passau. Derselbe wurde in Obernzell empfangen. Gleich nach der Ankunft in Wildenranna wurden die hl. Reliquien in das Schulhaus gebracht, wo im Schulzimmer ein Altar errichtet wurde. Auf diesem wurde von  4 Uhr 30 an das hl. Opfer dargebracht. Nach erfolgter Konsekration erfolgte um 9 Uhr 30 die Übertragung der hl. Reliquien in feierlicher Prozession in das Gotteshaus.

Der Pfarrhof wurde 1952/53 aus den Mitteln eines Vermächtnisses der Bauerntochter Maria Wipplinger von Wildenranna unter Pfarrer Urban erbaut.

Eine Kapelle, die auf Anregung des allzufrüh verstorbenen Kooperators Dick zu Ehren des hl. Bruder Konrad in Tumpenberg erbaut wurde, paßt gut in die Landschaft. Jedes Jahr, am 21. April wird dort zu Ehren des Heiligen das hl. Messopfer gefeiert. Eine Kapelle zu Ehren der Patrona Bavariae wurde 1957 von den Bauerneheleuten Hurnaus in Garmer erbaut

Unter Vorsitz von Dekan Urban fand am 25. Oktober 1961 in Wildenranna Kapiteljahrtag des Dekanates Obernzell statt. Anwesend waren 18 Priester. Um 9 Uhr 30 war ein Requiem für die verstorbenen Seelsorger des Dekanates mit Friedhofgang und anschließender Konferenz im Pfarrheim mit Referat des H. H. Domvikar Friedberger, Passau.

Wildenranna gehört dem Dekanat Hauzenberg an und seit 1981 dem Pfarrverband Wegscheid.

 

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HH. Fr.X. Schwarz, Expusitus   H.H. Josef Breit

 

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H.H. Fr.S. Niederhofer H.H.F.X. Franz Xaver Gerlsberger H.H. Alois Urban

 

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H.H. Josef Staudinger H.H. Franz Roth  

 

Friedhof

Vor dem Kirchenbau in Wildenranna wurden die Toten in Wegscheid beerdigt. In den Jahren 1907 - 1909 erbaute der Baumeister Max Falkner von Wescheid den Friedhof. H.H. Pfarrer Johann Kropfmüller von Thyrnau benefi0zierte den Friedhof am 11. September 1907, und zugleich fand die erste Beerdigung statt. Es war Bauer Josef Stadler von Wildenranna.

Die feierliche Friedhofeinweihung fand am 24. Oktober 1909 statt. Den Plan für die Friedhofmauer stellte ein Ingenieur her, der Pläne für den Bahnbau Erlau - Wegscheid anfertigte und der sich längere Zeit mit seinen Kollegen in der Mauth einquartiert hatte.